Arbeit im Akkord - Die Pomodoro-Technik

Ein Berg an Arbeit, eine Küchenuhr – und nichts zu verlieren. Eine Methode für alle, die kein Mega-System wollen, um sich zu organisieren.

Im Land der 1000 Systeme

Fast jeder hat schonmal eines der Unmengen an Selbstorganisationssystemen ausprobiert, die im Buch- und Webkosmos herumschwirren. Ob man nun lauter kleine Übungen absolvieren soll ("4 Stunden Arbeitswoche") oder das ganze Wochenende dazu verwenden muss, ein System aufzusetzen ("Getting things done") – all diesen Methoden ist gemeinsam, dass sie relativ viel Disziplin und Motivation zur Verwendung erfordern. Und die geht im Wust des Alltags leider oftmals verloren – zusammen mit dem mühsam aufgebauten System. Das muss aber nicht so sein.

Prüfungsstress und Effizienz

Die Pomodoro-Technik ist da anders – überraschend einfach anders. Sie basiert auf ein paar simplen Annahmen:

  1. Was uns heutzutage meistens davon abhält effektiv zu arbeiten, sind all die anderen möglichen Dinge, die wir ebenfalls genau zu diesem Zeitpunkt könnten
  2. Je näher wir einer Deadline kommen, umso effizienter arbeiten wir (das kennt vermutlich jeder von Prüfungsterminen – das ganze ist auch unter "Parkinson’s Gesetz" bekannt)
  3. Aufgaben, die zu groß sind, demotivieren (weil sich nicht schnell genug Erfolge einstellen)

Um diesen Dingen Rechnung zu tragen, nützt man bei der Pomodoro-Technik ein ganz einfaches Werkzeug: Eine Küchenuhr (die erste Küchenuhr mit der der Erfinder dieser Technik arbeitete, hatte die Form einer Tomate – die auf italienisch Pomodoro heisst). In dem alle Aufgaben in kleine halbstündige "Häppchen" unterteilt werden, werden sie plötzlich erreichbar. Eine halbe Stunde ist auch kurz genug, um nicht von der Grüße einer Arbeit erschlagen zu werden. In 30 Minuten kann gar nicht so viel in der Mailbox und auf Facebook passieren, dass man nicht mal so lange pausieren könnte, bis man wieder nachsieht.

Arbeit Häppchenweise

Pomodoro funktioniert in 6 Schritten:

  1. Eine schriftliche Liste der anstehenden Aufgaben anfertigen
  2. Die Aufgaben in kleine, messbare Häppchen (zu je ca. Einer halben Stunde) teilen – beim Lernen könnten das zum Beispiel heissen, 5 Seiten eines Buches durchgelesen zu haben
  3. Einen Wecker (oder eine passende App) auf 25 Minuten stellen
  4. Den Wecker starten und an der ersten Aufgabe arbeiten, bis er klingelt
  5. Eine kurze Pause einlegen (ca. 5 Minuten)
  6. Nach 4 Pomodoros eine längere Pause von 15-20 Minuten einlegen

Passend dazu gibt es auch noch einige Smartphone Apps, die speziell auf dieses Format zugeschnitten sind (und das ganze zum Teil sogar mit Todo-Listen Funktionen verbinden).

Da wären zum Beispiel "Pomodoro Tasks – Zeitmanagement mal anders" für Smartpones mit Android,

"Pomodoro" von Raphael Prat für Windows Phones

oder "Pomodoro me" für das iPhone.

Und bringts was?

Im Selbstversuch hat die Pomodoro-Technik überraschend gute Ergebnisse geliefert. Wie immer bei so einer Sache ist der erste Schritt der schwerste und es dauert natürlich ein wenig, bis man sich daran gewöhnt hat, im Akkord zu arbeiten. Aber allein die Erfahrung, eine halbe Stunde lang Soziale Netze, Mails und Handyempfang ausgeschaltet zu haben ist überraschend befreiend. Die Technik eignet sich hervorragend für Aufgaben, die man allein erledigen kann oder will. Muss oder will man mit anderen Personen kommunizieren, ist der Zeitdruck eher frustrierend – vermutlich weil keiner der Kollegen ebenfalls mit einem Countdown neben sich arbeitet.

Alles in allem ist aber zu empfehlen, diese Technik zumindest einmal auszuprobieren. Für manche sollte es das perfekte fehlende Puzzle-Teilchen im Selbstorganisationssystem sein. Auch wenn das Ganze wie arbeiten am Fließband wirkt, gewinnt man unter dem Strich (durch die höhere Effizienz) einiges an echter, ungestresster Freizeit.

Autor: Benedikt Glatzl, zuletzt geändert: 23.01.2012 23:50
 
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