Facebook vergisst nie

Datenschutz: Wiener Studenten zeigen das Social Network an.

Credit: APA/Hochmuth Facebook vergisst nicht. Wiener Studierende wolle dies nun mit einer Klage ändern.

16 Anzeigen gegen Facebook hat eine kleine Gruppe Wiener Studierender eingebracht. Facebook würde in mehreren Fällen die europäischen Datenschutzbestimmungen verletzen. Die Chance auf Erfolg sind für die Gruppe rund um Maximilian Schrems, Jus-Student aus Wien, dabei nicht einmal so gering.

Nach europäischem Recht kann sich jede Person eine Kopie der Daten zukommen lassen, welche ein Unternehmen über sie gespeichert hat. Von diesem Recht machte die Studierendengruppe "europe-v-facebook" Gebrauch und staunten dabei nicht schlecht. Obwohl Facebook der Anfrage nur teilweise nachkam, ist die Masse an Daten erschreckend. Über 1.000 A4-Seiten voller Informationen wurden für jedes einzelnen Mitglieder der Gruppe zugestellt. Der Informationswert der Unterlagen war dabei hoch: sexuelle und politische Orientierung, Teilnahme an Veranstaltungen, Protesten, lange vergangene Statusmeldungen. All das ließ sich aus den Datensätzen herauslesen.

Das Internet vergisst nie, Facebook noch weniger

Facebook bietet den Nutzern offiziell die Möglichkeit Daten wieder zu „löschen“. Der Schein trüge dabei jedoch, denn die Daten würden nur deaktiviert und seien für Facebook weiter abrufbar. Gelöschte Markierungen in Fotos, Nachrichten, Nutzernamen und E-Mail-Adressen, bleiben ewig auf den Servern des Unternehmens bestehen. Auch die Option „nur mit Freunden teilen“ erweise sich als trügerisch, denn der User teile die Infos trotzdem immer auch mit Facebook. Doch nicht nur das, denn auch Applikationen, welche diese Freunde nutzen, können die Daten einsehen. Weiters könnten auch Behörden - vor allem in den USA - auf die Informationen auf den Servern von Facebook zugreifen.

Chancen auf juristischen Sieg

Die Chancen für die Studierenden in diesem Rechtsstreit sind alles andere als gering. Nutzer außerhalb der USA und Kanada haben, laut Nutzungsbedingungen von Facebook, nur einen Vertrag mit der europäischen Zentrale mit Sitz in Irland. Diese Regelung, die Facebook immense Steuerersparnisse in den USA bringen sollte, könnte ihnen in diesem Fall zum Verhängnis  werden. Für die ca. 70% der weltweiten User, die außerhalb der USA und Kanada leben, würden nämlich somit die in Irland geltenden Europäischen Datenschutzbestimmungen greifen. Sollte die aktuelle Klage keinen Erfolg haben, erwägt die Gruppe, wie Futurezone.at berichtete, eine Klage gegen Irland vor der EU-Kommission.

Autor: seb, zuletzt geändert: 23.08.2011 11:19
 
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