"Zweite Mahnung"
Der TU fehlen 4 Millionen jährlich um das Personal zu halten. Jetzt drohen alle Kurien mit Kampfmaßnahmen
Der Platz im Hörsaal ist knapp. Studierende sitzen auf den Stufen, auf dem Boden, wo immer Platz ist sitzt jemand. Dabei ist nicht einmal Vorlesung und von Leistungsdruck keine Rede. Die HöchschülerInnenschaft der TU Wien (HTU) hat zur Vollversammlung aufgerufen und alle sind gekommen. Rektorat, Betriebsrat, Senat und Unirat haben Vertreter geschickt, Rektorin Sabine Seidler hat eine Videobotschaft aus Japan übermittelt. "Die Vollversammlung ist eines der mächtigsten Instrumente, das wir haben", sagt sie. Für die Rektorin ist klar, man habe die Aufgaben der letzten Jahre, genannt wird das Universitätsgesetz von 2002, gut gemeistert. Jetzt sei keine weitere Leistungssteigerung mehr möglich. Für den Fall, dass die Technische Uni keine Finanzspritze bekommt, droht sie mit einer "massiven Redimensionierung", die Uni wäre danach nicht mehr mit der jetzigen vergleichbar.
16 Millionen Budgetloch
Dass es "in dieser Form nicht weiter geht", findet auch Paul Jankowitsch, Vizerektor für Finanzen. Die Liquiditätsreserven von 80 Millionen Euro sein ausgegeben, jetzt fehlen bis 2015 16 Millionen Euro allein für das Personal. Das sind vier Millionen im Jahr. Er schickt nach: "Ich habe vor 30 Jahren im Assistenten-Mantel demonstriert und bin immer noch bereit es zu tun." Senatsvorsitzender Zehetner hat angesichts der schwierigen finanziellen Lage seinen Humor nicht verloren. Er rechnet vor, man müsse 200 Professorenstellen abbauen um ausgeglichen zu bilanzieren. Das Problem dabei: die TU hat nur 150 Professoren.
Die Zeichen stehen auf Sturm im Audimax der TU Wien. Vorlesungen könnten bald auf der Strasse vor dem Hörsaal, einem Wiener Hauptverkehrsweg stattfinden.
Absage an Studiengebühren
Adalbert Prechtl, Vizerektor für Lehre spricht eine klare Sprache, wenn es darum geht woher das Geld kommen soll. Zum Gaudium der Medien würde eine Studiengebühren-Debatte geführt. Das Rektorat stehe Studiengebühren skeptisch gegenüber, sagt Prechtl. Sie würden nämlich keinen wirklichen Beitrag zu Finanzierung leisten, wenn die soziale Absicherung aus den Einnahmen bezahlt würde. Zu viel Verwaltungsaufwand für zu wenig Geld ortet er im Namen des ganzen Rektorats und erntet dafür Applaus. Die Kapazitäten müssen ausgebaut werden um der Zunahme an Studierenden gerecht zu werden. Das Wort Zugangsbeschränkungen nimmt er nicht in den Mund. Aber: "ungehemmter Zustrom ist nicht verkraftbar".
Resolution
Die Vollversammlung einigt sich nach einer offenen Dabatte, wie sie bei solchen Anlässen üblich ist, die gleiche Resolution, die bereits vor einem Jahr übermittelt wurde, wieder an den Minister zu schicken. Allerdings erweitert durch die Überschrift "Zweite Mahnung". Ein Student sagt dazu "vielleicht hilft es, wenn man den Beamten etwas gewohntes darüberschreibt", und erntet dafür Gelächter. Als Kampfmaßnahme steht die Blockade des Getreidemarkts zwischen Karlsplatz und Gumpendorfer Straße im Rahmen einer "experimentellen Vorlesung" im Raum. Selbst aus den Reihen der Professoren und dem Rektorat gibt es dagegen keine Einwände.
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