15 Jahre IG Lektoren
Die WissenarbeiterInnen feiern Geburtstag und kreiden prekäre Arbeitsbedingungen an.
Vor 15 Jahren inmitten des Uni-Streiks als Interessensvertretung für externe Lehrende und Forschende an Österreichs Universitäten gegründet, lässt der Widerstand bis heute nicht nach. Die IG LektorInnen und WissensarbeiterInnen feiert heute Freitag mit einem Festakt ihr Jubiläum - und nutzt die Aufmerksamkeit mithilfe einer 60-seitigen Broschüre für eine Bestandsaufnahme zu den Lebens-, Arbeits- und Organisierungsbedingungen an den Unis. Und die führen zunehmend zu prekarisierten Verhältnissen, sagt IG-Präsident Claus Tieber im APA-Gespräch. "Eigentlich kann man nur jedem davon abraten, in Österreich eine wissenschaftliche Karriere anzustreben."
Kernbereich
Waren externe Lektoren ursprünglich als Leute aus der Praxis oder konkreten Forschung gedacht, die ihre Erfahrung an der Uni einbringen, springen sie heute dort ein, wo die Lehre an der Uni durch das wissenschaftliche Personal nicht mehr abgedeckt werden kann - und werden dabei mit befristeten Verträgen und geringer Entlohnung abgespeist, so Tieber. "Sie erledigen mittlerweile einen Kernbereich zentraler Aufgaben der Lehre und Betreuung an Universitäten", werden aber nicht in Entscheidungsprozesse eingebunden. Allein an der Uni Wien zeichnen laut IG 2.500 Lektoren, mehr als 1.000 über außeruniversitär finanzierte Forschungsprojekte Angestellte und etwa 800 Assistenten in Ausbildung für die Hälfte der universitären Lehre verantwortlich.
leere Versprechungen
"Daraus ergeben sich prekäre Zustände, in denen Lektoren und andere ähnlich befristet angestellte Wissenschafter für Aufgaben wie Diplomarbeitsbetreuung de facto nicht bezahlt werden", sagt Tieber. Zeitgleich werde ihnen "über Jahre und Jahrzehnte hinweg implizit oder sogar explizit Versprechungen auf eine wissenschaftliche Karriere gemacht, die nicht eingelöst werden können". "Die Chancen und Möglichkeiten zu Erfolg sind in Österreich generell gering". Die Ausbildung dauere lang, Sicherheit gäbe es nie, der Konkurrenzdruck sei unverhältnismäßig hoch. "Aber offensichtlich ist dieser Beruf für viele so faszinierend, dass sie vieles in Kauf zu nehmen bereit sind - in jüngeren Jahren eher als in späteren", so Tieber. An den Unis führt das nicht nur zu einer Ausbeutung von Nachwuchs, sondern auch zu aussichtslosen Situationen für hochqualifizierte Wissenschafter ab 40, "die lange Lehr- und Forschererfahrung haben, aber unvermittelbar sind". "Im Prinzip geht es auch darum, die Illusion der Karotte, die einem vorgehalten wird, zu zerstören", meint Tieber.
"Damit man uns nich mehr braucht"
Ansprechpartner auf verschiedenen Ebenen machen den Widerstand schwierig, denn "jede Ebene redet sich auf die jeweils höher gelegene aus und entzieht sich damit der Verantwortung", so Tieber. Er fordert sowohl eine klare Hochschulplanung vonseiten der Politik, aber "auch eine neue Personalstruktur an den Universitäten, für die die Unis selbst verantwortlich sind". An jenen Instituten, an denen sich Betroffene organisiert und eingebunden haben, seien die Bedingungen bereits verbessert worden. Die Studentenproteste 2009 rund um die Besetzung des Audimax der Uni Wien, mit denen sich die IG solidarisiert hatte, habe ihre Anliegen verstärkt in die Öffentlichkeit gebracht. Für die kommenden 15 Jahre wünscht sich Tieber mit einem ausgeglicheneren Verhältnis von fix und befristet Angestellten "eine gänzlich andere Personalstruktur an den Universitäten" und eine verstärkte Verankerung der externen Lektoren in Betriebsräten und Gewerkschaften - "damit man uns in 15 Jahren nicht mehr braucht".
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