London-Proteste gehen friedlich zu Ende

Trotz 20 Festnahmen und Gerangel sind die Proteste in London freidlich verlaufen.

Die Studierendenproteste in London sind freidlich zu Ende gegen. Die Polizei ließ rund 800 Eingekesselte  am Moongate in den Abendstunden abziehen. Einige sind geblieben. Die Stimmung wirf als ausgelassen und freidlich beschrieben. Der Singer-Songwriter Billy Bragg gab ein spontanes Akustikkonzert.

Zwischen 10.000 und 15.000 studierende haben gegen die Erhöhung der Studiengebühren und die Streichung der Familienbeihilfe demonstiert. 20 Personen wurden am Trafalgar Square und am Moongete festgenommen, als sie versuchten ein Zeltlager zu errichten bezeihungsweise mit Flaschen Polizisten attakierten.

Besetzung beendet

Die Besetzung des Trafalgar Square ist von der Londoner Polizei beendet worden. Nach Angaben der Polizei ist dabei auch eine ungenannte Anzahl Personen verhaftet worden. Unabhängigen Berichten auf Twitter zu Folge sind Flaschen gefolgen. Handgreiflichkeiten zwischem vermummten Demonstraten und Polizisten wurden nahe der Polizeiabsperrungen am Trafalgar Square beobachtet. Die Polizei hatte zuvor per Twitter gewarnt, dass ein abgehen von der genehmigten Route, nicht durch die Versammlungsfreiheit gedeckt sei. Ownjones84 tweetet, viele Studierende würden aus Angst vor Repression ihre demokratischen Rechte nicht ausüben können.Zuvor hatten Demonstranten, die sich mit den Besetzungen an der New Yorker Wallsteet und beim Londoner Stock Exchange solidarisieren ihre Zelte am Trafalgar Square aufgeschlagen.

Großes Polizeiaufgebot

Während die Organisatoren von mehr als 10.000 Teilnehmern sprachen, zählte die Polizei rund 2000 Demonstranten - deutlich weniger als die 4000 eingesetzten Polizisten. Vergangenes Jahr waren die Studentenproteste gegen die Erhöhung der Studiengebühren im November und Dezember teilweise in Gewalt umgeschlagen. Um eine Wiederholung sozialer Unruhen wie im Sommer zu verhindern, erhielt die Polizei die Erlaubnis, im Fall von Ausschreitungen Gummigeschosse einzusetzen.

Die Polizei plane nach Eigenen angaben deeskalativ vozugehen um eine Eskaltation der Gewalt wie im Vorjahr zu vermeiden. Trotz anderslautender Gerüchte plane man nicht Wasserwerfer einzusetzten, sagte ein Sprecher zum Guardian. Obwohl einzelne Studenten tweeten sie würden aus Angst vor Gummigeschoßen zu Hause bleiben, will sich die Mehrheit "nicht einschüchtern lassen", wie ein Teilnehmer sagt.

Gebühren als Ursache

Derzeit liegen die Gebühren im Schnitt bei 3300 Pfund (knapp 4000 Euro), doch sollen sie sich im kommenden Jahr mehr als verdoppeln. An einem Drittel der Universitäten sollen sie sogar auf 9000 Pfund steigen. "Das ist wirklich eine Strafe für unsere Generation. Ich sehe keine rationale Erklärung dafür. Wir wissen nicht, ob meine kleine Schwester studieren kann, selbst wenn meine Eltern sparen", sagte die 18-jährige Geschichts- und Politikstudentin Sally Bonsall gegenüber der Austria Presse Agentur.

Stephen McLean

Größere Dimensionen als im Vorjahr

"Was wir bisher gesehen haben, ist nichts im Gegensatz dazu, was noch kommt", sagt Mark Bergfeld. Der Wahl-Londoner gehört der National Union of Students (NUS) an und war als Sprecher des Education Activist Network eines der medialen Gesichter jener Studenten-Demo im November 2010, die eine Welle an Protesten in ganz Großbritannien nach sich gezogen hat. Heute - ein Jahr später - ruft er die Studenten erneut auf die Straßen - und er denkt "in noch größeren Dimensionen", denn die Situation für britische Studenten hat sich weiter verschärft. 10.000 Studierende werden zu den Protesten erwartet.

Credit: Education Activist Network

"Herz des Systems"

Zusätzlich zur drastischen Kürzung des Hochschulbudgets, der Streichung der "Education Maintenance Allowance" (ähnlich der Familienbeihilfe) und der Verdreifachung der Studiengebühren von rund 3.000 auf 9.000 Pfund drohen 2012 mit dem von der Regierung geplanten "Higher Education White Paper" zahlreiche Kürzungen "nicht rentabler" Kurse. "Die Studenten in das Herz des Systems" stellen, heißt es in dem Papier der Koalition aus Konservativen und Liberaldemokraten - für die Protestler und deren Sympathisanten eine Verhöhnung. "Widerstand in das Herz des Universitätssystem stellen" ist Bergfelds Motto für die kommenden Proteste, die am Mittwoch (9. November) mit einer Großdemo in London ihren vorläufigen Höhepunkt finden sollen. Ein erstes Aufbegehren in dem von Studenten angestrebten "Winter of discontent" spielte sich am 2. Oktober in Manchester ab. 30.000 Gewerkschafter und Studenten "begrüßten" lautstark die konservativen Tories zu Beginn ihrer Parteikonferenz.

"Unite and fight"

"We won`t pay for their crisis" stand auf den Transparenten der Studenten, "Unite and Fight" war der Kanon ihrer Sprechchöre. "Mit der heutigen Demo zeigen wir, dass die Studenten wieder zurück im Geschehen sind", sagte damals Rick Lighten, Gewerkschaftssprecher an der Manchester Metropolitan University, der APA. Die Stimmung in Manchester wirkte jedoch zeitweise gedrückt, unüblich leise war es für "englische Verhältnisse". Das eine oder andere bengalische Feuer hier, Rufe gegen Polizisten da, einzelne Vermummte, die den Albert Square okkupierten. Die gewaltsamen Aufstände Jugendlicher in Teilen Großbritanniens im August "haben die Atmosphäre ein wenig verschoben", meinte Lighten. "Aber die waren einfach nur eine weitere Folge unserer nicht gleichwertigen Gesellschaft und einer Jugend, die die Hoffnung verliert."

Keine "Familienfeier"

Cristina, eine spanische Erasmus-Studentin, sieht einen "globalen Widerstand" gegen die Auswirkungen auf Studenten und Arbeiter durch den von Spekulanten verursachten Finanz-Crash 2008 - aber auch Unterschiede zwischen Demos in ihrem Heimat- und Gastland, wie sie der APA beim Gewerkschaftsmarsch erzählte. "Die Sprache hier ist sehr aggressiv, die Großdemo in Barcelona war wie eine Familienfeier", und weiter: "Die Art, wie Leute in Spanien auf das Ganze reagieren, ist viel passiver, obwohl ihre Situation drastischer ist."

Gewalt im Vorjahr

Bis heute sind von Gewalt getragene Bilder der berüchtigten Londoner Demo in den Köpfen der Briten: Von dem vom Dach der Tories-Parteizentrale Millbank auf die Straße geworfenen Feuerlöscher durch einen 23-Jährigen bis zur riesigen Mengen an Aktivisten, die von der Polizei stundenlang in der Kälte eingekesselt wurde. Während sich die britische Bevölkerung aufgrund solcher Bilder teilweise von den Protesten distanziert, halten die Studenten mehr zusammen denn je - und erhalten Unterstützung von ihren Professoren, die durch die Kürzungen auch ihre eigenen Jobs in Gefahr sehen.

Autor: APA, axb, zuletzt geändert: 09.11.2011 18:51
 
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