Nackte Studentin: Ägypten steht Kopf
Ein junges ägyptisches Paar sorgt für Aufregung in Ägypten. Mit Aktbildern demonstrieren die Studenten gegen die konservative Gesellschaft.
„Im Namen aller arabischer Frauen danke ich dir für deinen Mut. Du hast unseren Respekt,“ hat ein oder eine „Anonymous“ unter den Blogeintrag gepostet, der in Ägypten gerade Stein des Anstoßes ist. Die 20-jährige Studentin Alia Mahdi und ihr Partner Kareem Amer haben mehrere Aktbilder auf ihrem Blog „a rebel’s diary“ veröffentlicht und für große Aufregung im politisch instabilen Ägypten gesorgt. Die beiden Studierenden stellen sich mit der Aktion gegen eine Gesellschaft, die seit den frühen 70er Jahren Aktzeichner und –Modelle gerichtlich verfolgt. „Sie wollen, dass wir unsere Körper hassen und unsere Sexualität verleugnen bevor sie uns mit ihrem Chauvinismus demütigen und uns die freie Meinungsäußerung nehmen,“ heißt es auf dem Blog der beiden.
Wagemut
In ihrem Blog veröffentlicht Alia Mahdi etliche Akte verschiedener Stilrichtung, sowohl Fotografien als auch Zeichnungen. Selbst ein ironischer Akt, eine „nackte“ Katze, die sich auf dem Sofa räkelt und alle Viere von sich streckt findet sich in der Sammlung. Auslöser des Skandals in dem im Umbruch befindlichen muslimischen Staat ist allerdings das Selbstportrait Mahdis. Darauf ist sie nur mit Strümpfen und roten Schuhen bekleidet zu sehen. „Ich bin sehr stolz auf ihre starke Persönlichkeit und den Wagemut mit dem sie ihre Meinung ausdrückt. Ich bin nicht so mutig. Alia ist mir wichtig und ich bleibe immer an ihrer Seite,“ wird Kareem Amer vom politischen Blog „Cyberdissident“ zitiert.
Aktzeichnung von Fady Morris aus Alexandria.
Männlicher Akt in der Sammlung: Kevin Ducret.
Stein des Anstoßes: Alia Mahdi.
Ironischer Katzenakt.
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Eine „Koalition der islamischen Absolventen der Rechtswissenschaften“ hat die beiden Studierenden nun angezeigt, weil sie zu "fremden, inakzeptablen Verhaltensweisen“ aufrufen würden, wie etwa der Forderung nach „sexueller Freiheit". Nach einer Meldung von „Spiegel online“ droht dem Paar nun ein Gerichtsverfahren. Nach Auskunft von Freunden der beiden sei zumindest Alia Mahdi untergetaucht, sie würde auch auf Nachrichten in sozialen Medienportalen nicht reagieren.
Liberale distanzieren sich
Mahdi beschreibt sich selbst als "säkulare, liberale, feministische, vegetarische, individualistische Ägypterin" und legt Wert auf die Feststellung als Individuum und nicht für liberale oder revolutionäre Gruppen zu sprechen. Eine Woche vor den ersten Parlamentswahlen seit der Entmachtung Mubaraks sorgen sich liberale Kräfte nun, die Aktion könnte konservative Parteigänger und Islamisten mobilisieren. Trotz aller Respektsbekundungen muslimischer Frauen: die Bewegung vom 6. April, die Maßgeblich zum Sturz des alten Regimes beigetragen hat, hat sich von Mahdi distanziert. Mit feministischer Politik lassen sich in der jungen Demokratie eben (noch) keine Wahlen gewinnen.
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