Lückenhaftes Medienwissen

Bewerber für ein Journalismus-Studium lassen Medienkompetenz vermissen. Viele haben „absurde Vorstellungen“.

Eklatante Wissenslücken zeigt eine an der FH Joanneum in Graz erstellte Studie über das Medienwissen österreichischer Jugendlicher auf. "Jugendliche nutzen Medien unterschiedlichster Art, ohne jedoch zu reflektieren, wer oder was dahintersteckt", resümiert der Leiter des Studiengangs "Journalismus und Public Relations", Heinz M. Fischer. So wusste z.B. nur jeder Fünfte, wer Alexander Wrabetz ist, den Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, Julian Assange, konnte nicht einmal die Hälfte der Befragten richtig einordnen. Der Leiter des Wiener Studiengangs „Journalismus und Medienmangament“ sieht ähnliche Trends und setzt auf Masterstudien und die Kombination aus Fachwissen und journalistischer Kompetenz.

Grazer Studie

Auf ihr Medienwissen getestet wurden im Sommer 2011 insgesamt 175 Bewerberinnen und Bewerber für den Grazer Studiengang aus ganz Österreich, mit deutlichem Frauenüberhang. Gegenüber einer vergleichbaren Erhebung von 2005 haben die Kenntnisse massiv abgenommen, so Fischer und Projektleiter Heinz P. Wassermann. Auffallend sei auch das signifikant schlechter ausgeprägte Medienwissen der weiblichen Probanden. Erkennbar wird das etwa bei der Frage nach dem Unterschied zwischen den Sendern 3sat und sat1. Während 75 Prozent der männlichen Befragten über den Unterschied zwischen öffentlich-rechtlichem und privatem Sender Bescheid wussten, waren es bei den Frauen nur 50 Prozent.

"Absurde Vorstellungen"

Mit  „Journalismus und Medienmangament“ wird  an der FH Wien ein ähnlicher Studiengang angeboten. Dessen Studiengangsleiter Reinhard Christl sieht ähnliche Trends obwohl es in Wien keine systematische Untersuchung gibt. „Aus 500 Bewerbern 37 auszusuchen, die so etwas wie Allgemeinbildung haben und deren Umgang mit der deutschen Sprache unfallfrei funktioniert, gelingt,“ sagt Christl. Aber: „Müssten wir - wie andere Unis - aus 70 Bewerbern 30 auswählen, könnten wir zusperren. Viele haben absurde Vorstellungen von der Medienwelt.“

Was heißt ZDF?

Laut der Grazer Untersuchung hapert es schon an den Abkürzungen: Nur jeder vierte Befragte wusste mit ZDF (Zweites Deutsches Fernsehen) was anzufangen, nur etwa die Hälfte konnten die Kürzel SMS (Short Message Service) und APA (Austria Presse Agentur) richtig deuten. Im Argen auch die mediengeschichtliche Kompetenz der Interessierten am Grazer Journalismus- und PR-Studiengang: Bei der Frage nach dem Bestehen von Radio, Fernsehen sowie des Radiosenders fm4 und von ORF.on lagen weit über die Hälfte mit ihren Antworten falsch. Ein wöchentlich erscheinendes österreichisches Nachrichtenmagazin konnten 55 Prozent nennen, ein deutsches nur 31 Prozent. Bei den abgefragten Fachbegriffen waren nur bei "Recherche" und "weblog" gegenüber 2005 Zuwächse zu verzeichnen.

Altersfrage

Christl will allerdings nicht den Eindruck erwecken er hänge der These an, dass früher alles besser war. Die Jungen, hätten andere Kompetenzen wie den Umgang mit Social Media der in der älteren Journalistengeneration nicht so verbreitet ist. Außerdem nimmt der die Schulabgänger in Schutz. Mit 18 Jahren habe man eben nicht viel Zeit gehabt sich Allgemeinwissen anzulesen und sich neben der Schule Medienkompetenz anzueignen. „Das ist auch eine Altersfrage“ sagt er.

Analyse und Reflektion

"Die kritische Analyse, Reflexion und Vermittlung von Hintergrundwissen über Medien wird in den Schulen offensichtlich stark vernachlässigt. Obwohl Medienkompetenz im Grundsatzerlass für Medienerziehung des Unterrichtsministeriums festgeschrieben steht, werden diese Inhalte im Unterricht augenscheinlich nicht oder nicht ausreichend thematisiert", so die Schlussfolgerung von Studiengangsleiter Fischer aus Graz.

Bologna

Als Perspektive für die Zukunft sieht Journalistenbildungs-Chef in Wien, Reinhard Christl ausgerechnet das viel gescholtene Bologna System. Das Masterstudium „Journalismus & Neue Medien“ soll In Zukunft forciert werden. „Es zeigt sich, dass es gut ist, wenn jemand Geschichte, Politik oder Wirtschaft studiert hat und das Fachwissen mit dem kombiniert, was er bei uns lernt.“

Autor: Axel Beer, APA, zuletzt geändert: 13.01.2012 15:10
 
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