Unis wachsen schnell, das Budget nicht
Ein Fünftel mehr Studienanfänger. Töchterle will Studienplatzfinanzierung.
Als "Erfolgsgeschichte" bezeichnet Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle den heute, Freitag, präsentierten Universitätsbericht 2011. "Die Universitäten haben sich sehr positiv entwickelt", so Töchterle, der sich vor allem über die gestiegenen Absolventenzahlen "sehr erfreut" zeigte. Das "Schöne" an der alle drei Jahre erscheinenden Bestandsaufnahme des Ministeriums für den Nationalrat: "Einmal nicht über Geld oder aktuelle politische Themen" reden zu müssen, so der Minister, der bemängelte, dass man "trotz permanent steigender Finanzierung" im tertiären Sektor "nicht mit den steigenden Studierendenzahlen" mithalten konnte.
20 % Mehr Studienanfänger
Zwischen 2007 und 2010 ist die Zahl der Studienanfänger um rund 21 Prozent auf etwa 51.300 gestiegen. Im gleichen Zeitraum hat sich das Universitätsbudget um 18 Prozent auf 2,982 Mrd. Euro erhöht. Sowohl die durchschnittlichen Ausgaben je Student als auch das Betreuungsverhältnis haben sich aufgrund der höheren Studentenzahlen jedoch verschlechtert. Töchterle erhofft sich hier künftig eine Abkühlung. Wie die Statistik Austria in ihrer Hochschulplanungsprognose festhält, "haben wir bei den Maturaabschlüssen den Gipfel erreicht", das bringe eine "Entspannung bei den Studienanfängern", auch wenn immer mehr Jugendliche eines Altersjahrgangs an die Universität gehen werden.
Streuung bei Betreuung
Aufholbedarf sieht Studiengebühren-Befürworter Töchterle bei der Uni-Finanzierung abseits der öffentlichen Hand. Generell habe er jedoch die "Hoffnung", dass bei künftig nur noch "dezent steigenden Studienanfänger-Zahlen" die Betreuungsverhältnisse an den Unis mit mehr Mitteln verbessert werden können. Im Wintersemester 2010 kamen auf einen Professor 122,8 Studenten, womit sich das Verhältnis im Vergleich zu 2011 um 18 Prozent verschlechtert hat. Auf einen Lehrenden (Vollzeitäquivalent) kommen 20,5 Studenten (minus 12 Prozent seit 2001). "Hier besteht eine wahnsinnige Streuung", so der Minister. In "Massenfächern" sei die Betreuungsrelation sehr schlecht, in anderen sehr gut. "Wenn wir das ausgleichen können, erreichen wir ein erträgliches Verhältnis", so Töchterle in Bezug auf die geplante verstärkte Studienberatung sowie eine intensivere "Lenkung der Studierendenströme dorthin, wo Platz und Bedarf ist".
Studienplatzfinanzierung
Die Studienplatzfinanzierung, im Rahmen derer Ministerium und Universitäten ein Maximum an Studentenplätzen an den jeweiligen Unis vereinbaren sollen, steht dementsprechend im Fokus der soeben begonnenen Gespräche mit dem Koalitionspartner zum Hochschulplan. Bereits für die Verhandlungen der kommenden Leistungsvereinbarungsperiode (2013 bis 2015) wünscht sich Töchterle die Zustimmung von SP-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl für eine klare gesetzliche Regelung. Sollten die Unis aufgrund eines zu geringen Budgets und der fehlenden Möglichkeit der Zugangsregelungen nicht unterschreiben, so Faulhammer, "werden die bisherigen Verträge automatisch fortgeschrieben". Damit ginge auch die "Hochschul-Milliarde" für die Unis verloren.
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