Plagiatsaffäre um Ungarns Präsidenten
Größtenteils abgeschrieben und ohne eine einzige Fußnote ist die Arbeit Pal Schmitts.
Nach den Plagiatsvorwürfen gegen den ungarischen Staatspräsidenten Pal Schmitt wegen seiner Doktorarbeit setzt die Budapester Semmelweis-Universität eine Überprüfungskommission ein. Die Ergebnisse des Gremiums, dessen Mitgliederliste von der Universität unter Verschluss gehalten wird, sollen am 28. März präsentiert werden, teilte die SOTE am Mittwoch in einer Aussendung mit, wie ungarische Medien meldeten.
Größtentils Abgeschrieben
Die Internetausgabe der Wochenzeitung "hvg" hatte vor zwei Wochen aufgedeckt, dass Schmitt den Großteil seiner im Jahr 1992 eingereichten Doktorarbeit von einer französischsprachigen Studie des bulgarischen Sportwissenschaftlers Nikolai Georgiew abgeschrieben haben soll. Auch aus einem englischsprachigen Text des deutschen Forschers Klaus Heinemann soll Schmitt Passagen wörtlich übernommen haben.
Pal Schjmitt. Hier bei einer Rede zur Unterzeichnung der neuen Verfassung.
Fehlende Fußnoten
In der von Medien in Auszügen veröffentlichten damaligen Beurteilung der Dissertation "Analyse des Programmes der olympischen Spiele der Neuzeit" wurde zwar auf wissenschaftliche Mängel der Arbeit hingewiesen, so auf die fehlenden Fußnoten und die relativ kurze Literaturliste. Trotzdem war der ehemalige olympische Fechter Schmitt - damals Präsident des Ungarischen Olympischen Komitees und bereits langjähriger Sportdiplomat - an der Budapester Sportuniversität (TE) "summa cum laude" promoviert worden. Die TE wurde im Jahr 2000 mit der Semmelweis-Medizinuniversität (SOTE) zusammengelegt, die nun für den Fall zuständig ist.
Andere Kriterien
Der Staatspräsident hat die Plagiatsvorwürfe bisher stets zurückgewiesen und sich darauf berufen, dass damals "andere formale Kriterien" üblich gewesen seien als heute. Zudem könne es sich bei seiner Dissertation schon deswegen nicht um ein Plagiat handeln, weil er die Quellen ja im Literaturverzeichnis angegeben habe, sagte er in der Vorwoche in einem Interview mit dem ungarischen Rundfunk. Die Oppositionsparteien MSZP (Sozialisten) und LMP (Grüne) forderten den Rücktritt Schmitts, sollte er sich als Plagiator erweisen. Am vergangenen Samstag demonstrierten nach Medienberichten Tausende in der Budaer Burg gegen Schmitt, wobei ihm von den Demonstranten der Doktortitel "feierlich aberkannt" wurde.
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