Krawall-Tango gegen Rechtswalzer
Die Anarcho-Szene mobilisiert wie noch nie gegen den WKR-Ball. Die Polizei bietet dagegen 1000 Beamte auf.
Diesmal kracht es.“ Der Verfassungsschutz ortet beim morgigen WKR-Ball in der Hofburg ein Gefahrenpotenzial, das ungleich höher ist als in den vergangenen Jahren.
Seit Monaten beobachtet der Verfassungsschutz Mobilisierungsveranstaltungen der autonomen Szene in Österreich und Deutschland. Ziel der Anarchos ist es, den Burschenschafterball zu stören. Neben der zeitlichen Kollision mit dem Holocaust-Gedenktag sehen Verfassungsschützer auch einen relativ profanen Grund für diese besonders umfangreiche Mobilisierung. Nach der Ankündigung der Hofburg-Betriebsgesellschaft, nächstes Jahr die Räumlichkeiten für den WKR-Ball nicht mehr zur Verfügung zu stellen, sei es schlichtweg die letzte Möglichkeit, an diesem prominenten Ort „Flagge zu zeigen“.
Platzverbot
Im Vorfeld laufen offiziell angemeldete, gewaltfreie Demos. Diesbezüglich zeigte man sich bei der Wiener Polizei relativ großzügig. So wird etwa der Heldenplatz nur zur Hälfte mit einem Platzverbot belegt. Auf der „freien“ Seite findet Freitagabend die Großkundgebung gegen Rechtsextremismus statt.
Dahinter steht ein breites Bündnis von rund 60 Organisationen – von SOS-Mitmensch über Gewerkschaften, Hochschülerschaft bis hin zu den Grünen. Schon am Vormittag gibt es auf dem Heldenplatz eine Gedenkfeier mit Beteiligung der Israelitischen Kultusgemeinde.
Diese Veranstaltungen und zwei weitere angemeldete Demo-Märsche, könnten, so die Befürchtung der Polizei, als „Schutzschild“ für gewalttätige Autonome missbraucht werden. Auch Ariel Muzicant, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde und Mitveranstalter, hat Angst vor „ungebetenen Besuchern“. Gegen diese gibt es zwar einen Ordnerdienst. Wenn die Situation jedoch eskaliert, bliebe als Konsequenz nur mehr der Abbruch der Demo, sagt Muzicant zum KURIER.
Gefahr droht auch aus Deutschland. So laden Anarchos in Köln zum „Burschis fressen“ nach Wien ein. Mit dabei sein wollen unter anderem auch die „Monsters of Göttingen“. Autobusse sollen in Köln, Bremen, Hannover, Frankfurt und München bereitstehen.
Rechtshilfe
Es gibt auch eine Anarcho-Rechtshilfe-Hotline. Die Telefonnummer, so der Ratschlag, sollten die Aktivisten mit wasserfestem Stift auf den Unterarm schreiben. Auch „Pennplätze“ für die Nächtigung wurden organisiert. Für eventuell Festgenommene werden aber wieder Schlafplätze von der Wiener Polizei angeboten – und zwar Zellen im Polizeianhaltezentrum, die vorsorglich freigemacht wurden. Die Polizei hat eine Urlaubssperre verhängt. Insgesamt stehen 1000 Einsatzkräfte bereit.
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