Antrirassismusfest in Wien
Bis zu 7.000 demonstrieren am Heldenplatz gegen den WKR-Ball. Die Kundgebung ist friedlich.
Bis zu 7.000 Demonstranten haben sich nach Angaben der Veranstalter auf dem Heldenplatz gegen den WKR-Ball demonstriert. Bei klirrender Kälte lauschen die Demonstranten den Reden von Isolde Charim, Doron Rabinovici und Maria Vassilakou und Livemusik. Die Hofburg war weiträumig durch ein Großaufgebot der Polizei abgeriegelt, die Kundgebungverlief weitgehend freidlich. Bei Versuchen den Zugang zum Ball zu blockieren wurden nach Abgaben der Polizei 20 Personen festgenommen. Neun Personen wurden leicht verletzt. Der Ball begann aufgrund der Blockaden mit über einer Stunde Verspätung.
Credit: studiKURIER/axb
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Demozüge
In zwei Zügen haben sich die Demonstranten seit etwa 18:30 auf den Heldenplatz zu bewegt. Der studiKURIER hat den Zug von der Uni Wien begleitet, Dort haben sich einige Hundert zwischen Fahnen diverser linker, studentischer Organisationen eingefunden. Es gibt Reden, die man durch die rhythmische Geräuschkulisse einer Samba-Gruppe kaum hören kann. Das Publikum ist bunt aber durchaus studentisch. Es wimmelt von Kaputzenpullis, bunten Jacken, die Aktivisten haben Buttons auf ihre Freitag-Taschen gepinnt. Zwischen abgetragenen Turnschuhen und Waldviertlern ist kein einziges Paar Stahlklappenschuhe zu sehen. Gewaltbereite Chaoten sehen jedenfalls anders aus.
Grüße aus Berlin
Ein zweiter Demozug aus einigen hundert Demonstranten hat sich in der Zwischenzeit vom Westbahnhof Richtung Innenstadt in Bewegung gesetzt. Massenweise Demotouristen aus dem Ausland waren nach Angaben der APA nicht zu sehen. Bloß von einem Block, der auf Transparenten Grüße aus Berlin übermittelt wird berichtet. Ein Bus mit Aktivisten aus Frankfurt war in Salzburg von der Polizei angehalten worden, durfte aber nach einer Stunde ungehindert weiterfahren.
Heldenplatz
Die Stimmung am Heldenplatz selbst war gut, Angelika Gruber vom Vorsitzteam der ÖH sprach sich für Zugangsbeschränkungen aus. Allerdings will die ÖH bloß den Zugang der Ballgäste zum historisch aufgeladenen Heldenplatz beschränken. In die gleiche Kerbe schlägt der Schriftsteller Doron Rabinovici. Er spricht von einem "Aufmarsch der Hetzer aus ganz Europa", einem "Festzug des Rassismus, der den europäischen Werten Vielfalt und Menschenrechte den Kampf ansagt". Die Hofburg solle als Ort der Darstellung des Staates dienen sagt Robinowitsch. Er dürfe nicht den "Wichsgestalten" (gemeint als Anspielung auf die festliche Kleidung oder "Wichs") überlassen werden. In anderen europäischen Staaten wäre ein Aufmarsch der extremen Rechte in repräsentativen Ambiente nicht möglich, sagte der Schriftsteller. Nach Angaben von Demonstranten hätten Ballbesucher am Eingang die Hand zum Hitlergruß erhoben.
Töchterle als Ehrenschutz?
Beim Blick ins Ballprogramm führte Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle gemeinsam mit UNICO-Chef Heinz Schmidinger das "akademische Ehrenkomitee" an, dies allerdings nur auf dem Papier. Beide Herren dementierten Teilnahme und Nähe zum Ball unverzüglich. Man habe die Einladung der Ballorganisatoren abgelehnt.
Vier Verhaftungen
Vonseiten der Polizei wurde zum Auftakt der Kundgebung ein weiteres Mal versichert, man bemühe sich um einen geordneten Ablauf der Veranstaltung. Im Einsatz sind mehrere hundert Polizisten aus mehreren Bundesländern. Bei Blockadeversuchen durch Demonstranten wurden insgesamt 20 Personen festgenommen, die von den Organisatoren bereitgestellte Rechtshilfe spricht von 12 Personen, die ins Polizeianhaltezentrum Rossauerlände gebracht wurden. Obwohl die Polizei beim Michaelaplatz und Ballahusplatz einige Demonstranten einkesselte haben alle Demonstranten den Kessel ohne Identitätsfeststellung verlassen können. In den Nachtstunden haben noch 20 Personen auf der Rossauerlände für die Freilassung der Verhafteten demonstriert.
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