Der Traum von der weltumspannenden Uni
Das Berliner Startup iversity will Studis und Lektoren aus aller Welt vernetzten und daran verdienen.
Das Internet hat die Welt verändert. Jetzt ist es an der Zeit die Universitäten, oder besser gesagt die Art und Weise wie wir über Bildung denken zu verändern. So sieht es das 20-köfige Team vom Startup iversity, das sich um Hannes Klöpper und Jonas Liepmann in Berlin formiert hat. In der Welt des Web 2.0 ist Offenheit und soziale Interaktion die Losung. "Die Unis müssen ihre Rolle ganz neu definieren," ist iversity-Geschäftsführer Klöpper im Gespräch mit dem studiKURIER überzeugt.
Das Dashboard beitet eine Übersicht über die Kurse, zu denen man angemeldet ist.
Vernetzung und Interaktion
Begonnen hat alles mit der Frustration eines Studenten, ausgelöst durch ein Parallelstudium an zwei Berliner Unis. "Der Transfer von einem System ist nicht möglich, auch innerhalb der jeweiligen Systeme wurde kaum kommuniziert," sagt Liepmann. Viele Unis – so auch die Berliner Institutionen an denen Liepmann studiert hat – bieten zwar ihren Studierenden Lehrmaterialen zum Download. Das war Liepmann nicht genug. "Ich hatte den Eindruck, dass die Universitäten das Internet ausschließen, weil sie eine wesentliche Funktion, die Vernetzung, nicht zulassen."
Kurs zur Finanzkrise
Inspiriert von der Arbeit des Stanford Professors für künstliche Intelligenz, Sebastian Thrun, bei dessen online-Kurs 23.000 Menschen Hausübungen eingereicht haben und dem britischen Projekt "grannycloud", bei dem Pensionisten über Skype Englisch unterrichten, hat das iversity-Team begonnen Kursmaterialien zusammen zu tragen. "Wir haben im November angefangen. Ein Master-Student hat aus frei verfügbaren Materialien einen Kurs zur Finanzkrise gebaut," nennt Klöpper ein Beispiel. Jetzt ruft man Lehrende aus aller Welt auf, sich anzumelden und Kurse anzubieten.
Viele Möglichkeiten
Was die Formate angeht, sei alles offen, heißt es bei iversity. Sowohl als Ergänzung zu bestehenden Kursen für Studierende traditioneller Unis, als auch für das "lebenslange Lernen", also den rein online-basierenden Kursbesuch soll die Plattform nützlich sein. Ob man – wie am MIT bereits vorgemacht – auch Online-Diplome vergeben wird die Zukunft zeigen. Man stehe erst am Anfang.
Peer-to-peer Konzept
Derzeit werden Ideen und Vorstellungen von Lehrenden zusammengetragen. Bis zum Start des Wintersemesters im Herbst 2012 will iversity die Plattform den Anforderungen gemäß weiterentwickeln. Eine Herausforderung dabei ist, die große Zahl an Fragen und eingereichten Hausarbeiten zu bewältigen. Dabei soll ein peer-to-peer Konzept helfen. Es mag für einen Lehrenden unmöglich sein 1000 Fragen zu beantworten, wenn aber die zehn wichtigsten Fragen durch einen "Like-Button" nach oben befördert werden und Hausarbeiten nach einem Peer Review Konzept bewertet werden, sieht die Welt schon anders aus.
Der Document Viewer macht pdf-Datein interaktiv.
Soziales Lesen
Ein zentrales Feature der Plattform ist das "social reading", das es Studierenden aus aller Welt möglich macht an einem Dokument zusammen zu arbeiten. Zentrale Passagen können farbig hervorgehoben werden, einzelne Stellen im Text mit Kommentaren oder Fragen versehen werden. Wer eine Mitschrift hat, kann sie so einfach als pdf hochladen, den Kollegen zur Verfügung stellen und wiederum selbst von Feedback und Ergänzungen profitieren.
Geschäftsmodell
Bei aller netzaffinen Offenheit soll iversity doch einmal Gewinn abwerfen. Immerhin handelt es sich um eine GmbH. Ist die Nutzergemeinschaft erst einmal gewachsen, würden sich einige Geschäftsmodelle anbieten, sagt Klöpper. Dabei orientiert man sich an Dingen, die die Studierenden ohnehin brauchen. Die von Lehrenden empfohlenen Bücher können direkt aus der Lernplattform online bestellt werden, die gesammelten Materialien für einen Kurs sind per Print on Demand erhältlich. Iversity bekommt eine Umsatzbeteiligung.
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